Katholische Zenmeister?

"Dem bekannten Würzburger Benediktinerpater und Zenmeister Willigis Jäger (76) sind alle Vorträge, Kurse und Veröffentlichungen untersagt. Dies gelte bereits seit Dezember vergangenen Jahres, teilte das zuständige Bischöfliche Ordinariat am Donnerstagabend mit. Damit soll weitere Verwirrung unter den "Gläubigen" vermieden werden. ..." Soweit die "Fuldaer Zeitung" vom 26.1.02 

Vor ca. 5 Jahren lancierte ich den nachfolgenden Rundbrief "Katholische Zenmeister?". Ich wagte sogar eine Debatte mit Willigis Jäger persönlich, denn ich war nach dem Lesen seines ausgezeichneten Buches "Suche nach dem Sinn des Lebens" und später nach den weiteren Publikationen "Suche nach der Wahrheit" und "Die Welle ist das Meer" von der meditativen Meisterschaft und Weisheit dieses Benediktinermönchs überzeugt. Anfänglich wurde ich mit meiner Streitschrift von vielen als intoleranter, an einer Kirchenneurose leidender Fanatiker, belächelt. Scheinbar lag ich mit meiner Analyse doch nicht daneben, ansonsten hätte Pater Jäger von der Kirche kein Lehrverbot erhalten. Leider merkten nur wenige um was es mir hauptsächlich in dieser Diskussion geht: nämlich um Glaubwürdigkeit und Wahrhaftigkeit. Zudem hinterfrage ich die kirchliche Taktik, nach welcher ZEN hauptsächlich für die gebildete Klientel bestimmt ist (um ihren Auszug in buddhistische Kreise zu vermeiden) und der Katechismus und die unfehlbaren Lehren für das belogene und betrogene kirchliche Fussvolk. (und diese "Gläubigen" müssen ja jetzt vor weiterer Verwirrung geschützt werden!)

Eine ausführliche Stellungnahme zu diesem Text lesen Sie hier

Dazu Eugen Drewermann im Buch "Kleriker": "Inzwischen sind wir so weit, dass die Theologen ihre eigenen Erkenntnisse, - z.B. Über die Historizität biblischer Texte, vor der Menge der Christgläubigen förmlich geheimhalten müssten, um nicht von den Kirchgängern selber und dann auch von der zuständigen Glaubenskommission der jeweiligen Bischofskonferenz als Irrlehrer angeprangert zu werden. Diese Schicht gehorsamer Lehramtsinhaber schwimmt wie eine Fettschicht auf den Gewässern der unwissenden Gläubigen, die bis zum massivsten Aberglauben fehlinformiert werden und bleiben, um an ihrem Kinderglauben nicht Schaden zu leiden." S 478 Von mir hervorgehoben ! ... und jetzt plötzlich Mystik, Zen und Zenmeister ?!

Das Lehrverbot für Pater Willigis Jäger ist aus kirchlicher Sicht also absolut korrekt. Diejenigen die sich dagegen auflehnen, sollen sich bitte die Mühe nehmen, mal in aller Ruhe und Fairness die katholische Glaubenslehre zu studieren!

Schade ist nur, dass Roshi Jäger dieses Lehrverbot akzeptiert und nicht die ganz klaren und eindeutigen Konsequenzen zieht.

Der folgende Rundbrief, der schon seit Jahren zirkuliert, ist noch genau so relevant und aktuell wie zuvor.

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Katholische Zenmeister?

Am 2. Januar l997 publizierte die röm. katholische Glaubenskongregation eine Erklärung , wonach der bekannte Theologe Tissa Balasuriya aus Sri Lanka von der kath. Kirche exkommuniziert wurde. (ORIENTIERUNG 7/97) Ihm wurde vorgeworfen, dass er die übernatürliche und einzigartige Erlösung durch Christus nicht anerkenne, die Notwendigkeit der Taufe verneine, das Dogma der Jungfräulichkeit Marias und die Unfehlbarkeit des Papstes leugne. Tissa Balasuriya bemühte sich wiederholt mit den Ordensoberen und Bischöfen Sri Lankas, dann auch mit der Glaubenskongregation ins Gespräch zu kommen. Anstelle des Gesprächs wurde ihm ein Sammelsurium verschiedener Dokumente mit unterschiedlichem Gewicht vorgelegt (Unfehlbarkeit des Papstes, Ablehnung des Frauenpriestertums) die er unterzeichnen sollte, was er aber nicht tat. (Wendekreis 3/97 Herausgegeben von der Bethlehem Mission Immensee) Er weigerte sich, ein "eigens für ihn vorbereitetes Glaubensbekenntnis" zu unterschreiben. Seine Weigerung wurde von der Kongregation als endgültiger Beweis dafür aufgefasst, dass er der Häresie verfallen sei; es werde deshalb mit Recht erklärt, dass er die automatische Exkommunikation auf sich gezogen habe.

Dazu belehrt uns weiter die Jesuiten-Zeitschrift "ORIENTIERUNG" 7/97: "Von altersher wurden Glaubensbekenntnisse durch ökumenische Konzilien verfasst, später im Westen durch Päpste. Gemäss katholischer Lehre kann kein Konzil, kein Papst den Beistand des Heiligen Geistes weiterdelegieren. Sollte nicht die alte Tradition bewahrt und die Abfassung eines Glaubensbekenntnisses ausschliesslich denen vorbehalten bleiben, die das Charisma besitzen, sakramental beauftragte Zeugen des Gotteswortes zu sein - nämlich die Bischöfe, die im Kollegium vereint sind unter dem Vorsitz des "Stellvertreters des Petrus" (wie Papst Leo der Grosse sein Amt gerne bezeichnete)?
Dieses theologische Problem sollte nicht zu rasch abgeschrieben werden. Die richtige Antwort auf ein Glaubensbekenntnis, das jemandem unterbreitet wird, ist ein Akt des Glaubens. Ein Glaubensakt jedoch geziemt sich nur gegenüber der göttlichen Offenbarung. Daraus folgt, dass letztlich niemand die Kompetenz hat, ein neues und verpflichtendes Glaubensbekenntnis zu formulieren, als jene, die den Beistand des Heiligen Geistes haben, um die Offenbarung zu bewahren. So kurz und trocken diese Überlegung auch ist, sie widerspiegelt die lange und lebendige Tradition der östlichen und westlichen Kirchen." S 74

Demzufolge offenbart sich nach kath. Theologie der Heilige Geist, die Göttliche Eingebung nur im Kollegium der Bischöfe unter dem Vorsitz "des Stellvertreters Petri". Scheinbar haben auch die hervorragend gebildeten Jesuiten - von altersher Weltmeister religiös-politischer Subversion (Jesuitenverbot!) - keine Probleme, dieses Dogma zu akzeptieren.

Der von dieser Glaubenskongregation exkommunizierte Theologe Tissa Balasuriya war der Pionier einer eigenständigen Drittwelttheologie und trat im Bürgerkrieg von Sri Lanka als Vermittler auf. Als Angehöriger einer religiösen Minorität war für ihn auch der interreligiöse Dialog zentral. "Die Strafe disqualifiziert darum auch einen der kompetentesten Gesprächspartner im christlich-buddhistischen Dialog." ( Tages-Anzeiger 2.4.97)

Nach dem die Glaubenskongregation im September 2000 unmissverständlich erklärte, dass es ausserhalb der kath. Kirche kein Heil gibt, stellt diese Exkommunikation ein paar relevante Fragen. Sollte diese kirchliche Verdammung nicht weitere Konsequenzen nach sich ziehen? Müsste man nicht noch weitere Gotteswissenschafter - allen voran katholische Zenmeister - mit dem Kirchenbann belegen, oder glauben diese Kirchenvertreter wirklich an die göttlichen Offenbarungen des Vatikans, die kirchlichen Dogmen und folgende Glaubenssätze wie:

  • dass ein rachsüchtiger Stammesgott das Sühneopfer seines Sohnes brauchte?
  • dass Jesus für unsere Erbsünde den Tod am Kreuz erleiden musste?
  • dass es ausserhalb der Kirche kein Heil gibt?
  • dass alle andern Religionen nur im Schatten der einen kath. Wahrheit stehen?
  • dass Jesus der einzige Sohn Gottes ist und es Erlösung nur in seinem Namen gibt?
  • dass das kath. Lehramt vom Hl. Geist inspiriert ist und nie irrt?
  • dass der Papst der unfehlbare Stellvertreter Gottes auf Erden ist?
  • dass es eine Hölle, einen Teufel und ewige Verdammnis gibt?
  • dass Jesus vom Hl. Geist gezeugt und von einer Jungfrau geboren wurde?
  • dass Jesus und Maria leiblich in den Himmel aufgefahren sind?
  • dass der Priester Wein in Blut und Brot in den Leib Christi verwandeln kann?
  • dass ungetaufte Kleinkinder ewig verdammt sein müssen?
  • dass die Kirche einen Missionsauftrag zur Bekehrung aller Völker hat?
  • dass die Bibel die einzige von Gott inspirierte heilige Schrift ist? Usw.


Noch mehr? Wohl kaum. Die oben erwähnten Glaubenssätze sind alle Teil der kath. Glaubenslehre. Wer sich weiter informieren möchte, der studiere:

"Katechismus der katholischen Kirche", "Der Glaube der Kirche" (Neuner-Roos), "Die Schwelle der Hoffnung überschreiten" (Johannes Paul ll), " Der Anti-Weltkatechismus" ( Peter Michel ) sehr empfehlenswert

In einem "Spiegel"-Beitrag wies der bekannte Buddhismus-Experte Wolfgang Schumann darauf hin, dass der Buddhismus und das Christentum grundsätzlich unvereinbar sind. Aber vielleicht Zen und ein unfehlbares Lehramt??!!

Wie mancher katholische Zenmeister und Meditationslehrer würde diese Glaubenssätze und unfehlbaren Dogmen unterschreiben? Oder brauchen wir nun nach bald 2000 jähriger göttlich inspirierter Drohbotschaft (für die Millionen ihr Leben lassen mussten) eine psychologische und esoterische Interpretation der Bibel und des Katechismus? Jeder Kleriker ist aufgrund seines Gehorsamsgelübdes verpflichtet - und zwar ohne Zweifel, denn dieser ist schon sündhaft - sich zu diesen Glaubensinhalten zu bekennen. Die Jesuiten bekennen sich in einem vierten Gelübde zu unbedingtem Gehorsam gegenüber dem Papst. Sie müssen also die folgenden Worte von Johannes Paul ll akzeptieren; "Darum können jene Menschen nicht gerettet werden, die um die katholische Kirche und ihre von Gott durch Christus gestiftete Heilsnotwendigkeit wissen, in sie aber nicht eintreten oder in ihr nicht ausharren wollen." Wo ist die intellektuelle Redlichkeit dieser "Meister"?

Nachdem die jahrhundertelange Diffamierung und Bekämpfung östlicher Spiritualität nichts fruchteten und der Zeitgeist mit der ganzen New Age- und Esoterikwelle eine Neuanpassung der alleinseligmachenden Lehre aufdrängt, versucht die kath. Kirche - wie immer - ihren Monopolanspruch diesmal in der Mystik geltend zu machen und wenn's sein muss, sogar mit zuvor in alle Höllen verteufelten Meditationssystemen. Vermehrt treten kath. Zenmeister und Meditationslehrer auf den spirituellen Markt der Sinngebung; aber Zen, höherer Yoga und der Katholizismus sind ein unüberbrückbarer Widerspruch, und da helfen auch keine theologischen und esoterischen Erklärungsspagate. Ein bekannter Zenspruch lautet: " If you meet Buddha on the way, kill him". Was hat denn auf diesem Pfad noch ein Jesus, eine Erlösungstheologie, ein unfehlbarer Stellvertreter Gottes, ein sich nie irrendes Lehramt und das ganze Dogmengebäude zu tun?

Selbstverständlich kann ein katholischer Laie Zen und Yoga praktizieren. Aber als katholischer Zenmeister auf die religiöse Bühne zu treten, ist eine Perversion des asiatischen Geistes. Diese Behauptung wird von jeder hochstehenden Schrift von den Upanischaden über die Bhagavad Gita bis hin zu den Zen-Unterweisungen, bestätigt. "The scriptures lead beyond scriptures" sagen uns alle Weisen Asiens, und demzufolge kann ein echter Zenmeister oder Acharya nicht Mitglied einer unfehlbaren, monopolistischen und neurotisierenden Institution sein. Wenn ein kath. Meditationslehrer nicht öffentlich zu den kirchlichen Dogmen und Glaubenssätzen stehen kann, dann ist er für die Kirche zweifelsohne untragbar und unglaubwürdig und muss somit konsequenterweise - wie Tissa Balasuriya -, exkommuniziert werden. Wenn er aber zu den Dogmen und der Glaubenslehre steht, dann ist er als Zenmeister ganz klar unglaubwürdig, auch wenn er vielen auf dem meditativen Weg helfen mag. ( Ein Roshi sollte doch voll hinter seiner Überzeugung stehen können!! ) Es ist ganz klar unredlich, wenn man auf dem Buckel der belogenen und betrogenen Laien die Infrastruktur einer fragwürdigen Dogmenkirche als Mittel zum Zweck missbraucht. Diese Kirche hat bis heute noch fast jeden ihrer bedeutendsten Mystiker, von Meister Eckhart bis Teilhard de Chardin verleumdet und verketzert. Echte Mystik lässt sich nicht institutionalisieren und binden und sie braucht auch nicht den Segen von Kirchenobern. Zudem weiss jeder katholische Meditationslehrer, dass Papst Johannes Paul ll vor Jahren in einer Enzyklika die Gläubigen ausdrücklich vor Yoga und östlichen Meditationstechniken warnte. Die heuchlerische und zweideutige Akzeptanz dieser Zenmeister bestätigt einmal mehr die Unglaubwürdigkeit der katholischen Kirche. Die neuen Roshis sollen bitte wie andere Lehrer auch, ohne die monatlich garantierte Lohntüte mit späterer Altersvorsorge, den rauhen Wind der staatskirchlichen Sektenhetze erdulden.

Dass dem Gesuch um Gemeinnützigkeit des MEDITATIONSZENTRUMS BEATENBERG CH nicht stattgegeben wurde, sagt alles über die Machtpoker und die Toleranz der Kirchen gegenüber nichtchristlichen Meditationsgruppen.

Im neuen von Hans Küng lancierten WELTETHOS wird auch auf das Gebot der WAHRHAFTIGKEIT hingewiesen. Es wäre viel ehrlicher und weiser, wenn die Herren Brantschen und Jäger ihrer eigenen Glaubwürdigkeit zuliebe, als christliche Kontemplationsmeister auftreten würden.

Die Pflicht eines spirituellen Meisters besteht darin, seine Schüler in die spirituelle Freiheit und als Meditationslehrer in einen Zustand der eigenen Selbst- oder Gotteserfahrung zu führen, benenne man diese nun als Satori, Samadhi oder Unio Mystica. Diese Eigenerfahrung lag schon immer über jeglicher priesterlichen Vereinnahmung. Ein Zenmeister oder Roshi vertritt höchstens eine spezifische Linie, hat aber keine Oberen über sich, die ihm die Lehrerlaubnis entziehen können. Mystik und Schriftgelehrtentum, Gotteserfahrung und Gotteswissenschafter, eigene Einsicht und Verwalter des Absoluten vertrugen sich noch nie, gleich in welchem Kulturkreis. Und das sollte jeder Zenmeister und Acharya wissen.

Braucht nicht gerade die heutige Zeit , unsere Kultur, Leute, die endlich die gewonnene religiöse Sicherheit, Freiheit, Einsicht und ihr Innenleben ausserhalb klerikaler Zwangsjacken dem nach Glaubwürdigkeit sich sehnenden Laien vorleben, und zwar ausserhalb Institutionen und Organisationen, deren Ziel weder Wahrheit noch spirituelle Freiheit ist, sondern nur die Macht und den Einfluss über die Gläubigen zu erhalten ? Man kann nur hoffen, dass in Zukunft in jeder Meditationshalle der folgende Spruch des grössten Zen- und Meditationslehrers der Geschichte, des Buddhas, hängen wird:

"Glaubt nicht an das, was ihr gehört habt; glaubt nicht an Traditionen, nur weil sie über viele Generationen hinweg überliefert worden sind; glaubt nichts, weil es als Gerücht kursiert oder weil viele darüber sprechen; glaubt nichts nur deshalb, weil es angeblich durch eine schriftliche Äusserung irgendeines alten Weisen bestätigt wird; glaubt nicht an Mutmassungen; glaubt nicht nur an die Autorität eurer Lehrer und Ältesten. Wenn eure eigenen Beobachtungen und eure Analyse mit den logischen Erwägungen des Verstandes übereinstimmen und das Geprüfte dem Wohl aller förderlich ist, erst dann akzeptiert es und lebt ihm entsprechend." Siddhartha Gautama

PS Könnte man nicht wenigstens von Zen-Experten, Yogalehrern und Acharyas östlicher Spiritualität erwarten, dass sie ihre Schüler auf diese offensichtlichen Widersprüche aufmerksam machen? ...oder hört Yoga, Viveka, Satya und Dharma beim Kopfstand auf ?

Garibaldi, Marcel Rey, Zermatt




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