Also sprach Atma

Reflexionen zu den "Atma"-Durchsagen des Mediums Oskar R. Schlag
von Albert Anderes

Lesen Sie hier die ersten paar Seiten des Dokuments:

Inhaltsverzeichnis
Einleitung 
Verdankungen 
Mein persönlicher Bezug zu diesen Texten 
Zur Person Oskar R. Schlag 
Die "Hermetische Gesellschaft" Wer ist "Atma"? 
Beurteilung aus parapsychologischer Sicht
Umgang mit den vorliegenden Texten 
Auswertung in Form von "Reflexionen" 
Textstellen und Reflexionen zur Sexualität 
Textstellen und Reflexionen zur ICH-Individuation und dem Karma 
Textstellen und Reflexionen zum Universum und dessen Entstehung 
Textstellen und Reflexionen zu den thematisierten Religionen 
Textstellen und Reflexionen zur Magie 
Textstellen und Reflexionen zum Tarot 
Textstellen und Reflexionen zu weiteren Themen der Hermetik 
Schlussfolgerungen und offene Fragen 
Literatur 

Einleitung
Die Protokolle der Sitzungen, die mit dem Durchsagemedium Oskar R. Schlag in den 30er Jahren durchgeführt wurden, hat die Oskar R. Schlag-Stiftung im Ergon-Verlag Würzburg in neun Bänden herausgegeben. Weitere Bände sind vorgesehen.

Diese, der Oeffentlichkeit erstmals zur Verfügung gestellten, Protokolle beinhalten eine grosse Fülle hermetischer Aussagen, welche zu studieren und zu prüfen sind. Das Studium setzt Kenntnisse der, von Oskar R. Schlag angesprochenen, hermetischen Fachgebiete voraus. Die Textanalyse erfordert deshalb den Quervergleich zu anderen hermetischen Texten und religionsphänomenologischen Studien. Zum Beispiel ist Julius Evola mit seinen Arbeiten über die Initiation zu beachten. Aber auch die Theosophie von Franz Hartmann oder die esoter-ische Schule von Rudolf Steiner müssen berücksichtigt werden. Ferner sind die Magietexte des Golden Dawn, des Abraham von Worms und von Aleister Crowley heranzuziehen.

Die bisher publizierten Protokolle sind, meiner Ansicht nach, die hermetisch wichtigsten seit der Publikation der Golden Dawn-Papiere durch Israel Regardie.

Mit den von mir vorgelegten "Reflexionen" möchte ich zum Lesen und Verarbeiten dieser Bände ermuntern und einen Einstieg in die Interpretation geben. Diese "Lesehilfe" ist kein Ersatz für die eigene Arbeit. Der Leser soll mit den Texten selbständig arbeiten und zu diesem Zwecke die angesprochene Literatur oder entsprechende Nachschlagewerke konsultieren. Die im Anhang aufgeführte Literatur beinhaltet eine Auswahl von Büchern zur Erleichterung des Einstieges. Ich möchte mit meinen Ueberlegungen einerseits den in der Hermetik weniger informierten Interessenten ansprechen. Anderseits aber auch für Fachleute Material zur Person des Mediums, seiner Durchsagen und den Umgang mit den publizierten Protokollen geben. In Form von "Reflexionen" (in Anlehnung an die Titel der Buchreihe) möchte ich den Einstieg in das Studium der Protokolle erleichtern und dieselben dem Leser einsichtig machen. Ich habe keine nüchterne Faktenanalyse betrieben, sondern mich mit einer phänomenologischen Betrachtungsweise dem Medium und seiner Durchsagen angenähert. Eine "distanzierte" Analyse der Aussagen bringt keinen persönlichen Gewinn. Da ich Oskar R. Schlag und einen Teil seines Umfeldes persönlich gekannt habe, respektive mit einigen seiner Schüler auch heute noch in enger Arbeitsverbindung stehe, sind auch per-sönliche Stellungnahmen vorhanden.

Verdankungen
Für die Mithilfe bei der Erstellung dieses Manuskriptes möchte ich mich an dieser Stelle bei allen, nicht namentlich genannten, Beteiligten herzlich bedanken. Wertvolle Unterstützung habe ich insbesondere von Mitgliedern der "Hermetischen Gesellschaft" erhalten. Ich habe die Arcan-Disziplin - so denke ich - eingehalten. Meine beiden hermetischen Freunde, Hans-Ulrich Hofmann und Andreas Bürgi, haben die Arbeit ebenfalls kritisch und fragend begleitet und somit einen wesentlichen Beitrag zur Entstehung der vorliegenden Schrift geleistet. Meine Gattin Therese hat mit ihrer Textlesung die notwendige sprachliche Bereinigung durchgeführt. Für allfällige Tippfehler bin ich verantwortlich.

Mein persönlicher Bezug zu diesen Texten
Schon in der Jugendzeit habe ich mich für Fragen der Naturwissenschaft, der Theologie und der Philosophie interessiert. Die Beschäftigung mit der Geschichte kommt hinzu. Es war der Einfluss der Rudolf Steiner-Schule, die mir den "Doktor Faust" erstrebenswert machte. Als broterwerbenden Beruf habe ich mich für die Chemie entschieden; das Studium der Reli-gionsphänomenologie und der Philosophie betrieb ich für die Freizeit. Hinzu kommt eine mehrjährige Auseinandersetzung mit der Anthroposophie und parapsychologischer Phäno-mene.

Im Zusammenhang mit Studien der Magie lernte ich in den 80er-Jahren Oskar R. Schlag kennen. In der Folge hatte ich in seinem Hause in Zürich mehrere intensive Gespräche zu Themen der Magie, Alchemie und dem Tarot. Oskar R. Schlag hat mir für meine magischen Arbeiten wichtige Informationen und Ratschläge gegeben. Der Bitte um Uebernahme der Supervision meiner Magieexperimente entsprach er jedoch nicht. Eine Einladung zur Aufnahme in seine "Hermetische Gesellschaft" habe ich auch nicht erhalten. Ich vermute, dass der Grund darin zu suchen ist, dass ich mit dem Ritual des "Abraham von Worms" arbeitete, während Oskar R. Schlag mir gegenüber die Arbeiten von Aleister Crowley bevorzugte. Ein Mitglied des Ordo Templi Orientis (O.T.O.) war der Meinung, dass Oskar R. Schlag ein Abramelin-Dämon sei!
Die Nichtaufnahme hat mich damals sehr betroffen gemacht, da ich in jener Lebensphase von einem Mitglied der "Hermetischen Gesellschaft" - der ebenfalls magisch arbeitete und beruflich als Assistent an der Theologischen Fakultät Zürich tätig war - bei dessen Studien zum Magietext des "Abraham von Worms" als Helfer eingesetzt wurde. Diese Studie wurde später in Buchform publiziert. Bei den Reflexionen zur Magie werde ich nochmals auf Abraham von Worms und Aleister Crowley zu sprechen kommen.

Oskar R. Schlag trat 1948 der Freimaurer-Loge "Sapere Aude" auf dem Lindenhof bei und wurde später Mitglied des Hochgrades "Alter und angenommener schottischer Ritus" (A.A.S.R.). Es erstaunt deshalb nicht, dass einige Mitglieder der, von Oskar R. Schlag später gegründeten, "Hermetischen Gesellschaft" ebenfalls Freimaurer waren. Meine 1989 erfolgte Aufnahme in den Bund der Freimaurer - und später in den "Rektifizierten schottischen Ritus" (R.S.R.), sowie meine Mitgliedschaft in der Forschungsloge - führte mich schnell zu inten-siven Kontakten mit weiteren, hermetisch arbeitenden, Freimaurern aus dem Umfeld von Oskar R. Schlag. Ich bekam Zugang zu weiteren Materialien des "ORS"-Clans.

Die Publikation der "Atma"-Durchsagen nach dem Tod von Oskar R. Schlag eröffneten mir einen völlig neuen und unerwarteten Bereich seiner Fähigkeiten. Es wurden viele "Atma" -Aussagen protokolliert, die nur ein Kenner der Materie interpretieren kann. Ich denke zum Beispiel an Aussagen über die Freimaurerei, die für einen Nicht-Freimaurer unverständlich sind. Es gibt aber auch andere Textstellen, die für Fachleute zur Zeit schwer verständlich sind. Der Versuch, Spezialisten zur Auswertung solcher Textstellen beizuziehen gelang nur Ansatzweise. So wollte sich keine theologisch ausgebildete Fachperson mit den Interpretationen des "Atma" zum Alten und Neuen Testament beschäftigen. Die "Exegese" - wie der Fach-ausdruck für die Auslegung der Bibel lautet - wird in einer "konditionierten" Art und Weise an den Theologischen Hochschulen gelehrt. Für Fachleute dieser Konditionierung kommt eine "nichtkonditionierte" Exegese nicht in Betracht. Ich werde mich noch viele Jahre damit beschäftigen, die "Atma"-Durchsagen zu studieren und auf deren Relevanz für mein Leben zu prüfen.

Die Person Oskar R. Schlag
Oskar R. Schlag wurde am 22. März 1907 als 10. Kind des Kinobesitzers Xaver Schlag und dessen Gattin Luise in Osterhofen (Niederbayern) geboren. 1910 wechselte die Familie nach Landshut.

Bereits mit 12 Jahren (1919) soll er theurgische Fähigkeiten (die Fähigkeit und Kraft durch Zauber Götter zu beschwören) gehabt haben. Seine Medialität sei zwischen dem 16. und 17. Altersjahr (1923) durchgebrochen; die Seancen sollen im Familienkreis stattgefunden haben.

Prof. Albert Freiherr v. Schrenck-Notzing - ein damals bekannter Arzt und Okkultismusforscher - wurde 1927 zur Abklärung der medialen Fähigkeiten des 20jährigen Jünglings beigezogen. Angeblich soll Oskar R. Schlag den Professor verärgert haben, weil er denselben auf methodische Fehler in den Versuchsanordnungen aufmerksam gemacht habe. Die Aufzeichnungen der in den zwei Versuchsjahren 1927 - 1929 erstellten Protokolle sind während dem 2. Weltkrieg bedauerlicherweise verloren gegangen.

Angeblich soll Oskar R. Schlag 1927 mit Leuten aus dem Umfeld des O.T.O., sowie einer Abramelin-Gruppe, bekannt gemacht worden sein. Es werden Namen wie Baron Bomsdorff-Bergen in Landshut, Hans-Rudolf Hilfiker oder F.L. Pinkus (der spirituelle Vater von H.J. Metzger) genannt.

Nach dem Tode von Prof. A. v. Schrenck-Notzing siedelte Oskar R. Schlag 1929 in die Schweiz über. Ueber die Gründe und die Lebensumstände jener Zeit konnte ich nichts Ge-sichertes erfahren. Ob Oskar R. Schlag in München tatsächlich Hitler und Himmler vorgestellt wurde und von Hitler das Angebot erhalten habe, unter der Obhut von Baldur von Schirach für die Nationalsozialisten zu arbeiten - was er refüsierte - lässt sich in den von mir eingesehenen Akten nicht nachweisen. Die angebliche Protesthaltung gegenüber dem Nationalsozialismus - bis hin zum Kauf der haitianischen Staatsbürgerschaft für 10'000 Dollar -, sowie die angeblichen Anstrengungen der Gestapo Oskar R. Schlag - sogar mit Hilfe von Frauen (!!) - habhaft zu werden, ist für mich nicht mit Fakten beweisbar. Die "Atma"-Durchsagen der 30er Jahre geben ebenfalls keine konkreten Hinweise. In den Studien von N. Goodrick über den Okkultismus des III. Reiches fehlt der Name Oskar R. Schlag.

Bei Max Pulver studierte er Graphologie und lies sich bei Oscar Pfister zum Psychotherapeuten ausbilden. Seit 1938 soll der 29 Jahre alte Oskar R. Schlag Vorlesungen über Grenz-gebiete der Psychologie und die theoretischen Grundlagen des Yoga gehalten haben.

1948 - im Alter von 39 Jahren - wurde er Freimaurer in Zürich und erreichte den 33° des A.A.S.R.! Er wurde auch Mitglied der Forschungsloge "Quator Coronati". 1949 wurde er in die "Ludwig Uhland-Loge" in New York aufgenommen. Die Aussage von Horst E. Miers in seinem Esoteriklexikon - Oskar R. Schlag habe später den Beitritt zur Freimaurerei bedauert - ist falsch. Der Nachweis einer solchen Aussage fehlt! Horst E. Miers wurde mehrfach auf diesen Fehler von den maurerischen Mitgliedern der "Hermetischen Gesellschaft" angesprochen und hat es in der 2. Lexikonausgabe trotzdem wieder publiziert. Es handelt sich hier um ein klassisches Beispiel, wie für Leser "Wahrheit" geschrieben wird. Zur Entlastung von Horst E. Miers muss allerdings festgehalten werden, dass auch Peter R. König in seinen Schriften über den O.T.O. diese "Wahrheit" publiziert hat!

Peter R. König hat viele Briefaussagen über Oskar R. Schlag publiziert und zum Teil auch kommentiert. Ob die jeweiligen Verfasser der zitierten Briefe jedoch eine korrekte Information abgegeben haben, ist aus wissenschaftlicher Sicht fraglich. Peter R. König hat in seinen Veröffentlichungen zum O.T.O viele Informationen zum Leben und Wirken von Oskar R. Schlag geliefert. Offensichtlich war die Person "ORS" vielfältiger und rätselhafter als dies heute bekannt ist. Oskar R. Schlag deshalb als "Schwarzmagier" zu bezeichnen, wie es Peter R. König macht, halte ich jedoch für deplaziert. Ohne detaillierte Kenntnisse der "anderen" Seite kann ein "Weissmagier" (um diesen etwas irreführenden Aus-druck zu gebrauchen) nicht vorwärts kommen.

Oskar R. Schlag gründete die "Hermetische Gesellschaft"; man kann auch von einem Orden sprechen. Ich werde später nochmals darauf zurückkommen.

Oskar R. Schlag hatte den Ruf eines äusserst begabten und seriösen Mediums. Seine grapho-logische Entlarvung des "Sprengel"-Briefes (im Zusammenhang mit der Gründungsgeschichte des magischen Ordens Golden Dawn) brachte ihm zusätzliche, internationale Anerkennung.

Dass Oskar R. Schlag seine medialen Durchsagen selber kritisch überprüfen wollte, spricht für seine Redlichkeit. Deshalb nicht nur die Anhäufung von Literatur und Kultusgegenständen, sondern auch der Beitritt zur Freimaurerei oder der Kontakt zu Organisationen wie dem O.T.O. Für seine Ehrlichkeit spricht auch die Tatsache, dass er in der Oeffentlichkeit keine "Lehrer"-Rolle übernehmen wollte. Seine öffentlichen Arbeiten, zum Beispiel die Publikation "Frühe Gedichte" 1955 sind wohl ein Spiegel seines Wesens, jedoch ohne direkten Bezug zu "Atma".

Am 29. November 1990 ist Oskar R. Schlag im Alter von 83 Jahren in Zürich gestorben. Anneliese Bergmaier, Mitglied der "Hermetischen Gesellschaft", soll - gemäss Peter R. König - gesagt haben, dass Oskar R. Schlag glaubte die Reinkarnation von Carl Kellner zu sein (Carl Kellner war der geistige Vater des O.T.O. und lebte von 1851 - 1905). Aus einer der Reden bei seiner Abdankung am 4. Dezember 1990 zitiere ich folgendes: "Obwohl Oskar Schlag als hervorragender Psychologe, Graphologe und Schriftsteller eng verbunden war mit den Pionieren der Tiefenpsychologie, wie zum Beispiel C.G. Jung, Max Pulver, Lipot Szondi und auf dem Gebiete der Psychologie wertvolle Beiträge leistete, widmete er seine ganze Energie, sein ganzes Leben seinem Hauptwerk. Ganz zurückgezogen von der Oeffentlichkeit und in bescheidener Hingabe, bestand das Hauptwerk, das für ihn absolute Priorität hatte, darin, die Quellen der sakralen Lehren der esoterischen Tradition in ihrer Reinheit zugänglich zu machen. Er verzichtete auf professionellen Ruhm und auf familiäre Geborgenheit, um dem edleren Ziel der geistigen Befreiung des Menschen zu dienen. Sehr früh wurde unser Bruder Oskar Schlag dazu berufen, in engem Kontakt mit allen auf dieser Ebene wirkenden Kräften, das Charisma der reinen Lehre weiterzugeben. Lange bevor Esoterik als Modeprodukt vermarktet wurde, vermittelte er vielen ernsthaft Suchenden den Faden echter Lehre und Disziplin, der aus dem Labyrinth unfreier Daseinsformen heraushilft. Unser Bruder Oskar Schlag gehörte zu den ganz seltenen Menschen, die in verschiedenen Gebieten der geheimen sakralen Wissenschaften direkten Einblick erhielten. Die zahlreichen Vorlesungen, die er über ,Yoga und Tiefenpsychologie", über "Magie" und ,Grenzgebiete der Psychologie" als Lehrbeauftragter an der Universität und am Institut für angewandte Psychologie hielt, waren um die Jahre 1950 bahnbrechend. Das war ein blasser Schimmer dessen, was er im intimen Kreise seiner Freunde vertiefte. Oskar Schlag war alles andere als ein blosser Gelehrter oder Religionsforscher. Er war ein vorurteilsloser, aufgeschlossener, vielseitig begabter Mensch, der die Welt numinöser Wirklichkeit in Mark und Knochen erlebt hatte. Aus dieser lebensbejahenden Fülle heraus vermittelte er die Begeisterung für ganzheitliches Verstehen; die Motivation der Wach-Werdung. Durch seinen unermüdlichen und durch Liebe geprägten Einsatz gab er vielen unter uns den Anstoss zu neuem Wachstum. Mit grossem Respekt vor individueller Verantwortung und Freiheit und mit Toleranz für anders Gesinnte, stellte er seine spirituellen Freunde immer wieder vor die Erfordernisse des esoterischen Weges. In aller Bescheidenheit wollte unser Bruder niemals als Lehrer oder als Guru wirken. Er betrachtete sich lediglich als Werkzeug höheren Auftrages, als Diener des Lichtes. Als solcher hatte Oskar Schlag gelernt, auf die innere Stimme zu horchen, seine Gehorsamkeit führte ihn zum Verzicht auf individuelles ichhaftes Streben. Sein Leben bestand darin, das Brot der Lehre mit solchen Menschen zu teilen, die es auf diesem Wege suchten."

 

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