Von: Martin Frischknecht

Akron verstorben

Der Schriftsteller und Tarotkenner Karl Friedrich Frey, der in der Öffentlichkeit auftrat unter dem Pseudonym Akron, ist im Alter von 69 Jahren in Sankt Gallen an Krebs verstorben. Mitte November gibt es in seiner Heimatstadt eine Gedenkfeier.


Von: Martin Frischknecht

Akron bei einem Besuch des Klosters Fischingen, Sept 17

Akron ist tot. Ich bin baff und kann es nicht fassen. Ausgerechnet er, der vor fünf Jahren auf dem Trottoir vor seinem Haus einen spektakulären Unfall erlitt und mit einem Schädel-Hirntrauma wochenlang zwischen Leben und Tod schwebte. Worauf er geläutert auferstand. Er, der okkulte Gelehrte, der in seinen Werken mutig wie kein anderer Schattenreiche durchschritt und den Weg der Seele nachzeichnete. Er, der Gefährten wie den Maler H.R. Giger oder den Tarotspezialisten Hajo Banzhaf überlebte und in dieser Zeitschrift liebevoll verabschiedete. Dieser Vertraute und Ratgeber, der Mann mit der rauen Schale einer schwarzen Lederjacke, der getönten Brille und dahinter den hellwachen, sensiblen Augen, dieser Mann ist tot, am 11. Oktober verstorben an einer unheilbaren Krankheit.

Als Bürgerschreck und Magier hat er sich einen Namen gemacht. In jungen Jahren wirkte der in Münsterlingen und Singen Aufgewachsene zeitweilig als Drummer in der deutschen Rockband Amon Düül. Die Faszination für Magie und Santanismus lag damals in der Luft und gehörte gewissermassen zum Trend. Während andere bloss vorübergehend damit spielten, ging Akron der Sache auf den Grund. Seine Werke zum Crowley-Tarot setzten Massstäbe, seine Beschäftigung mit dem Grossmagier des zwanzigsten Jahrhunderts krönte er mit dem zweibändigen Akrons Crowley Tarot Führer. In einem Interview mit SPUREN liess er keinen Zweifel daran, dass die jugendliche Verehrung längst einer reiferen und nüchternen Betrachtung gewichen war.

Um irgendwo mitzulaufen und sich einer gerade modisch gewordenen Lehre anzuschliessen, dafür war dieser herzensgute Mensch ganz einfach zu klug. Obwohl er in der Öffentlichkeit mit dem Image des Schwarzmagiers spielte und in die Richtung manch ein Klischee bediente, hatten viele wie ich das Glück, Akron von einer ganz anderen Seite kennenzulernen: als Freund, der einem in die Seele blickte. Der resonierte und räsonierte. Wohl wahr, er konnte sprechen in Sätzen ohne Komma und Punkt, und die zogen sich zuweilen viertelstundenlang hin. Doch es lohnte sich, ihm dabei genau zuzuhören, denn die Verbindung zum Gegenüber brach nie ab. Was er sagte, hatte Hand und Fuss, und es war ungemein anregend.

Ich brauche nicht zu sagen, wie sehr ich ihn jetzt schon vermisse. Ohne ihn bringe ich nicht mal einen rechten Nachruf zustande. Akron, egal hinter welcher der von dir beschriebenen «7 Pforten des Geistes» du heute weilst, du fehlst. Ohne dich stolpern wir bewusstlos über Schwellen.

Eine öffentliche Abschiedsfeier findet statt am Samstag, 11. November 2017, um 15 Uhr in der Wirk Raum Kirche, Böcklinstrasse 2, Sankt Gallen.
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