Von: Mario Mantese
Aktuell, Mario Mantese

Leben endet nie

Wie in einer Achterbahn geht es im Leben ständig rauf und runter, und wir stecken mittendrin. Da sind Erwartungen, Hoffnungen, Enttäuschungen, dazwischen ein schwindender Anspruch auf ein bisschen Glück. Und dann ist es auch schon vorbei … So war und ist es nicht. So scheint es bloß zu sein. »Leben endet nie«, hält dem Mario Mantese entgegen und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: »Es gibt nichts Gefährlicheres als Leben.« Nach den ermutigenden Erfahrungen und Erkenntnissen des Schweizer Weisheitslehrers ist vieles gerade umgekehrt, ganz anders als wir meinen. Die Achterbahn bewegt sich ständig nur im Kreis des Denkens. Die Vergnügen und Schrecken der vorgespurten Bahn sind indes nichts im Vergleich mit der wahren Schönheit des Lebens. Und: Aussteigen ist jederzeit möglich. Gebunden, 221 Seiten, Fr 20.–, ISBN 978-3-905752-59-5


Von: Mario Mantese

Mario Mantese: Leben endet nie

Wie in einer Achterbahn geht es im Leben ständig rauf und runter, und wir stecken mittendrin. Da sind Erwartungen, Hoffnungen, Enttäuschungen, dazwischen ein schwindender Anspruch auf ein bisschen Glück. Und dann ist es auch schon vorbei …  So war und ist es nicht. So scheint es bloß zu sein. »Leben endet nie«, hält dem Mario Mantese entgegen und fügt mit einem Schmunzeln hinzu: »Es gibt nichts Gefährlicheres als Leben.« Nach den ermutigenden Erfahrungen und Erkenntnissen des Schweizer Weisheitslehrers ist vieles gerade umgekehrt, ganz anders als wir meinen. Die Achterbahn bewegt sich ständig nur im Kreis des Denkens. Die Vergnügen und Schrecken der vorgespurten Bahn sind indes nichts im Vergleich mit der wahren Schönheit des Lebens. Und: Aussteigen ist jederzeit möglich. 

Gebunden, 221 Seiten, Fr 20.–, ISBN 978-3-905752-59-5 

Buchauszug
Erinnere dich an deine Zukunft!

An was genau kannst du dich eigentlich erinnern? Mit Sicherheit nicht an deine Zukunft. Das, woran du dich erinnern kannst, sind vor allem deine unzähligen guten und schlechten Erfahrungen, die du erlebt hast, und das daraus gewonnene Wissen, das in deinem Gehirn eingelagert und gespeichert ist. Die gesamte Informationsflut stammt aus deiner eigenen Vergangenheit. Du lebst jetzt in der Gegenwart aus nichts anderem als deiner Vergangenheit und glaubst an deine Zukunft. Dies ist so, weil sich die Zeit scheinbar nur in eine Richtung bewegt und ausdehnt, nämlich nach vorne. All das, woran du dich erinnern kannst, bestimmt dein Leben und dein Dasein in der Welt. Aus der erinnerten Vergangenheit schmiedest du in der Gegenwart deinen Alltag. Doch dein Alltag ist nicht wirklich bewusster All-Tag, eher ein unbewusstes Reagieren auf Reflexe und Automatismen aus deiner Vergangenheit. Du erlebst immer wieder dein Gestern im Heute, ohne dessen wirklich gewahr zu sein.

Dein fortlaufendes Handeln, Formen und Gestalten ist eigentlich nichts anderes als ein unaufhörliches Umschichten deines Gestern ins Heute, wobei das Heute einen Lidschlag später bereits wieder das Gestern ist. So pflügst du dich durchs Leben und begegnest letztendlich nie jemand anderem als dir selbst. 

Dein Lebensweg bildet sich dadurch, dass du ihn begehst. So ist dein Dasein in der Welt. So ist das So-Sein der Dinge und ihrer Wandlungen in der Welt.

Das, was du in deiner Gegenwart erlebst, ist von deiner Vergangenheit abhängig, da jeder von dir gefasste und ausgeformte Gedanke aus deiner erinnerten Vergangenheit stammt. Du kannst dich nicht an nichts erinnern. Es muss etwas da sein, an das du dich erinnern kannst, etwas, über das du nachdenken kannst. Über nichts gibt es nichts nachzudenken. Dieses Etwas ist deine gesamte erinnerte Vergangenheit. Schau hin und erkenne: Du bist ein Mensch von gestern, der im Glauben und in der Vorstellung eines eingebildeten Heute lebt.

Dein ganzes menschliches Erleben wird in deinem Gehirn ununterbrochen und automatisch zu dem, was du glaubst zu sein. Es wird zu dem, was du verarbeitest und verdichtest. Diesen Verarbeitungsprozess in deinem Gehirn, diese Abläufe kannst du weder beeinflussen noch kontrollieren noch steuern. Sie geschehen in dir, aber ohne dein Ich. Die Natur hat ihre eigene Dynamik. 

Durch die vielen unterschiedlichen Informationen, Reflexe und Reize der Sinnesorgane setzt sich im Gehirn blitzschnell eine Erlebniswelt zu einem Bewusstseinskonstrukt zusammen. Dieses spiegelt Inneres im Außen und Äußeres im Innen. Durch diesen Reflex geschieht Bewusstwerdung. Das heißt, Bewusstsein wird sich als Bewusstsein gewahr.

Es muss etwas da sein, dessen sich das Bewusstsein bewusst sein kann. Dieses Etwas ist sozusagen die Nahrung für das Bewusstsein. Das Nährende und das Genährte sind nicht getrennt voneinander, so wie du nicht getrennt von der Totalität existieren kannst.

Die äußere Weltenform folgt einer unfassbaren, unsichtbaren, intelligenten Kraft. Wende dich ihr zu! Durchschaue jedoch diese äußere Hülle, die du einerseits bist und andererseits nie warst. Das Gehirn ist die Schaltzentrale, die bewusstes Leben möglich macht. Es möchte sich selbst kennenlernen, über sich nachdenken und sich erforschen. Dieses Forschen ist natürlich nur innerhalb von Raum und Zeit möglich, wo es sich durch die Jahrtausende evolutionär entwickelt hat.

Doch da gibt es diesen innewohnenden seltsamen Drang, tiefer zu schauen, tiefer zu forschen, um innere Grenzen und Begrenzungen zu sprengen und zu überschreiten. Etwas im Bewusstsein möchte herausfinden, was jenseits dieser Grenzen ist, vielleicht auch, weil der Mensch den Gedanken an seine Vergänglichkeit schlecht ertragen kann. Jede Zelle des physischen Körpers ist mit dem Durst nach Leben und Überleben programmiert, denn Leben will leben! Aber was ist eigentlich Leben? Ich meine nicht die Lebensgeschichten und Erfahrungen, die den Menschen prägen und auszeichnen, nein, Leben an sich. Es ist eine unbekannte, geheimnisvolle Essenz, die diese Lebensgeschichten ermöglicht, ohne diese zu sein oder sich mit ihnen zu vermischen, so wie Sonnenlicht sich nicht mit Schatten vermischt. Es macht dieses Phänomen hingegen möglich. Nur vom Standpunkt des Nicht-Ich aus lässt sich der Schattenwurf der hinzugefügten Weltenform durchschauen und transzendieren. 

Wer erwacht und im Licht der Ewigkeit die Welt betrachtet, sieht umfassend, was in der Zeit lebt und in der Zeit stirbt. Er ist von diesen Abläufen abgelöst. Weder die Vergangenheit noch die Zukunft vermögen den Erwachten zu berühren. Sein Hiersein ist vorweltlich, formlos und gestaltlos. 

Realisiere dies, und betrete das reine Land der Stille! Unermessliche Ruhe wird dich erfüllen und durchfluten. Erwachen heißt nicht, den ganzen Tag euphorisiert mit einem verklärten Lächeln durch die Welt zu spazieren. Wer aus der Tiefe lebt, hält sich an nichts fest. Er ruht unspektakulär im Unfassbaren.

Erwachen geschieht nicht so, dass man in einem nicht messbaren Bruchteil eines Momentes aus der Ewigkeit über die Prozesse der Vergangenheit nachdenkt, um dort Korrekturen zu vollziehen. Es ist eher ein stilles Nicht-Denken, ein stilles Nicht-Einmischen, ein stilles Nicht-Eintauchen, ein stilles Nicht-Handeln, ein in sich ruhendes Gewahr-Sein, in dem der Erwachte alles Nicht-Wirkliche im Wirklichen klar sieht. Der Erwachte sieht, ohne sich mit dem Gesehenen aktiv zu vermischen und zu identifizieren. Sein Sehen ist leer und weit wie der strahlend blaue Himmel. Weiße und dunkle Wolken schweben dahin. Der blaue Himmel bleibt davon unberührt. Phänomene, die erscheinen und sich wieder auflösen, berühren den Erwachten, der im Vorweltlichen gefestigt ist, nicht.

Jenseits des Erkennbaren liegen der Anfang und das Ende der Welt. Der Raum nimmt alle Phänomene in sich auf und bietet ihnen ein Zuhause. Wie könnte dies den Abgelösten jemals bewegen, ihn, der sich nicht mehr nach außen kehrt und frei von subjektiver Befangenheit ist? Undenkbares, Unvorstellbares und Unsichtbares sind dem nach außen gekehrten kühlen Verstand und den nach außen orientierten Sinnesinstrumenten nicht zugänglich. Und doch gibt es diese vorweltliche Erfahrung, in der der Erfahrende abwesend und weggeschmolzen ist. Frei von Vergangenem und Zukünftigem ruht der Erwachte in der Stille des großen Mysteriums.





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