Von: Stephanie Schmid

Ausprobiert: Klangrotation im Bärensaal

Gongs, Klangschalen und eine Vielzahl weiterer Instrumente, angeordnet in einem grossen Kreis, und dazwischen Liegen: Bitte Platz nehmen zur Klangmassage.


Von: Stephanie Schmid

Bereits beim Betreten des Bärensaals in Worb bin ich beeindruckt. Farblich aufeinander abgestimmte Ruheplätze gruppieren sich sternförmig um eine Monochord-Liege in der Mitte des Raumes. Umringt wird dieser Liegekreis von Tischen mit Klangschalen, Gongs und einer Vielzahl weiterer Klanginstrumente. Diese Instrumentenpräsenz lässt erahnen, wie viel Klangenergie diesen Saal bald durchziehen wird.

Fünfdimensionaler Klangraum

Ich bin hier, um die grosse Klangrotation nach Walter Häfner zu erleben. Die Klangkörper sind hierfür im geometrischen Muster der Blume des Lebens, auch vergleichbar der Systematik des kabbalistischen Lebensbaums, aufgebaut. Zehn Klangtherapeuten werden zusammen einen fünfdimensionalen Klangraum entstehen lassen, der das Energiefeld der Besucher in Bewegung versetzen soll und sich auf allen Dimensionen des Seins heilsam auswirken kann. Wie gross die Auswirkungen sein können, darauf werden wir vorbereitet. Der Klang erzeuge eine Tiefenentspannung. Wer sich vor dem Klangerlebnis gedanklich positiv auf gewünschte Lebensveränderungen ausrichte, gebe dem Abend eine bewusste, schöpferische Richtung.

Mit dem Gefühl, emotional getragen und von der mich umhüllenden Decke gewärmt zu sein, trete ich meine Reise zum Klang des Muschelhorns an. Wie empfohlen visualisiere ich zu Beginn in Bild und Gefühl mein Ziel des Abends. Dann lasse ich die Vorstellung los und lausche in das Klanggewitter hinein, das um mich herum aufzieht.

Resonanz

Es dauert nicht lange, bis mein Körper anfängt mitzuschwingen. Es fühlt sich an, als pulsiere ich von innen heraus. Mit der Zeit schieben sich Bilder vor meine geschlossenen Augen, als würde ich luzide träumen. Je dichter und mächtiger der Klang um mich herum wird, desto angenehmer empfinde ich es. Die in aufsteigenden Halbtönen angespielten Klangschalen versetzen mich in kleine Verzückungsmomente. Ich habe das Gefühl, richtig auftanken zu können. Je lauter es um mich herum wird, desto ruhiger wird es in mir. Gedanken und Bilder verschwinden langsam und machen einem Zustand des ruhigen, gelassenen Wohlgefühls Platz. Ewig möchte ich hier fast körperlos schweben, alles scheint leicht.

Genährt

Das Unvermeidliche kommt viel zu früh – die gut einstündige Klangreise findet ihr Ende. Es dauert eine lange Weile, bis die ersten gedämpften Stimmen und Bewegungen zu hören sind. Keiner hat es eilig. Es liegt ein spürbarer Friede im Raum. Ich fühle mich, als hätte ich eine Runde im Jungbrunnen ziehen dürfen, so genährt und aufgetankt bin ich. Schon bei manchem Rota­tionsteilnehmer hat sich das Leben danach gravierend verändert, erzählt Martin Wüthrich. Hat der Klang auch in mir an verkrusteten Strukturen gerüttelt? Meine meist verspannten Schultern fühlen sich auf jeden Fall schon einmal so locker an wie lange nicht mehr.

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