Buch des Monats

In den Fußspuren des Buddha
von Annelie Tacke

Was den Friedenspilgern als Erstes auffällt, ist, dass da erst mal kein Friede ist. Denn beim Gehen ist es nicht der riesige Rucksack, der am meisten schmerzt, sondern der Unrat im Kopf, den jeder von zu Hause mitgebracht hat. Vom Bayrischen Wald nach Indien, Tibet und Burma pilgern, das ist die Vision von Friedenspilger Thomas, den Autorin Annelie Tacke auf einem Teilstück durch Südosteuropa begleitet. Wie es ist, im armen Rumänien abends nach Essen und einer kostenfreien Übernachtung zu fragen, das kann die Autorin vorerst nur ahnen. «In den Fussspuren des Buddha» (tao.de Verlag, Bielefeld 2014) ist der zutiefst ehrliche Bericht einer weiten Reise, die jedem, der an ihr teilnimmt, a l l e s abverlangt. (Rezension: Sagita Lehner)[mehr]


Anthroposophische Spiritualität
von Jens Heisterkamp

Worum geht es den Schülern Rudolf Steiners, was treibt Anthroposophen um? Eine Frage, auf die ich seit längerem in der einschlägigen Literatur eine Antwort suche, ohne je wirklich fündig geworden zu sein – bis mir nun «Anthroposophische Spiritualität» (Mayer/info3 Verlag, Frankfurt/M 2014) von Jens Heisterkamp in die Hände gefallen ist Darin erfahren wir nach imposanten Ausflügen durch die deutsche Geistesgeschichte, dass es auf diesem Erkenntnisweg darum geht, durch Denken das Denken zu überwinden und die Befangenheit des Verstandes-Denkens «von innen heraus zu durchbrechen.» Das ist doch recht erstaunlich und steht meines Wissens in der spirituellen Landschaft einzigartig da. Wie diese Schulung hin zur «Selbstfindung im All-Einen» abläuft, bleibt etwas bruchstückhaft; das aber hat weniger mit dem vorliegenden kurzen Werk zu tun als mit den Ausführungen des Meisters selber – denen Jens Heisterkamp jedoch eine wegweisende Orientierung abgewinnt. (Rezension: MF) [mehr]


Das dreckige Leben
von Kristin Kimbali

Sie war eine junge, vegetarisch lebende New Yorker Journalistin, die nur ein Interview mit einem Farmer machen wollte. Sie hatte niemals vor, ein Schwein zu schlachten oder gar mit Ahornsirup beträufelte Würstchen zu essen. Doch Mark, der nach warmer Haut, Diesel und Erde riecht, bringt in Kristin Kimbali mehr ins Wanken als bloss ihre Essgewohnheiten: «Ich wünsche jeder Frau, dass sie irgendwann in ihrem Leben mal einen Liebhaber hat, der nie geraucht und nie übermässig viel getrunken hat und der nicht davon abgestumpft ist, zu viele Frauen geküsst und zu viele Pornos gesehen zu haben.» «Das dreckige Leben» (Narayana Verlag, Kandern 2014) ist ein herrliches Buch über das bedingungslose Leben der Liebe, über frische Hirschleber und über Gemüse, an dem noch Erde klebt.[mehr]


Sinnes-momente, Sinn-momente
von Peter Wild

Ausgehend von eigenen Erlebnissen und mit Bezügen zu Versen geistiger Verwandter, insbesondere von Werner Lutz, bringt der Schweizer Meditationslehrer Peter Wild seinen Lesern die Lust an der Langsamkeit und verfeinerten Wahrnehmung näher. Das gelingt ihm ausgezeichnet. Tatsächlich wie die Harrasse frisch gepflückter roter Äpfel auf dem Cover von «Sinnes-momente, Sinn-momente» (Patmos Verlag, Ostfildern 2014) bringt er einen auf den Geschmack! Dieses Buch macht klar, dass spirituelle Erfahrungen auch auf sinnlichen Erlebnissen basieren. «Immer wenn wir uns vertrauensvoll auf unsere Sinne einlassen, ist es wie ein Licht, das uns trifft, anregend in der Berührung, im Sehen, in der Aufnahme der Geräusche, Klänge und Worte, belebend in den Gerüchen und im Geschmack.» Der Autor bringt konkrete Vorschläge, wie wir unsere Sinne im Alltag schulen können – somit kann dieses empfehlenswerte Buch durchaus als «sinnesbasiertes Achtsamkeitstraining» gelten. (Rezension: Rebecca Kunz)[mehr]


Sing Feng
von Hans Peter Scheier

Eine kurze, poetische Geschichte, übermittelt von einem Grossvater an seinen Enkel, beides erwachsene Männer, und der jüngere hat vom älteren eine Gabe bekommen, welche dieses Buch überhaupt erst möglich macht: mit wachen Sinnen durch die Welt gehen, schauen, hören, staunen, Mal für Mal wieder neu. So begnet der Grossvater beim Fotografieren im Wald «Sing Feng» (Syngeneia Verlag, Schaffhausen 2014). Der geheimnisvolle Winzling war in früherer Existenz ein gefürchteter chinesischer Krieger. Nun hat er eine Mission. Hans Peter Scheier erzählt die Geschichte in kurzen Kapiteln und mit prächtigen Fotos aus dem Naturreich des Winzlings – zauberhaft. (Rezension: MF)[mehr]


Sein
von Adyashanti

«Das wahre Verlangen nach Erleuchtung ist eine stumme Bitte um das, was uns wirklich aufweckt, sei es wunderbar oder schrecklich», sagt der kalifornische Weisheitslehrer Adyashanti. Denn unversehens sind wir von einer Welt, in der Erwachte für ihre Erkenntnis gekreuzigt wurden, in einen Dschungel von «Erleuchtungsreklamen» und mittelalterlich anmutenden Heilsversprechen geraten. Aber was, wenn das Erwachen gar nicht die erhoffte Escape-Taste aus unserem komplizierten Leben ist? Oder im schlimmsten Fall sogar der Anfang harter Arbeit? In «Sein» (O. W. Barth Verlag, München 2014) räumt Adyashanti in feiner Zen-Manier, jedoch jenseits von Religion oder Tradition, mit den Mythen auf und erzählt amüsante Anekdoten von seinem eigenen, nicht immer ganz einfachen Stolperpfad. (Rezension: Sagita Lehner)[mehr]


Das geheime Wissen der Zellen
von Sondra Barrett

Mit «Das geheime Wissen der Zellen» (Goldmann Verlag, München 2014) ist Sondra Barrett ein ganz besonderer Reiseführer gelungen – einer für «Zellreisende». Dass sie ihre Arbeit als Mikrobiologin einmal über alle bereits überschrittenen Grenzen hinausführen würde, konnte Barrett nicht ahnen. «Die Erforschung von Zellen unter dem Mikroskop wurde mehr als eine rein intellektuelle Erfahrung für mich – was ich sah, verzauberte mich.» Die Art, wie Sondra Barrett Spiritualität und Wissenschaft verbindet, lässt uns erkennen, dass es eine solche Trennung gar nie gegeben hat. So durchströmt einen beim Lesen das angenehme Gefühl, nicht nur Teil eines grossen Ganzen, sondern auch das grosse Ganze von etwas viel Kleinerem zu sein. (Rezension: Sagita Lehner)[mehr]





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