Buch des Monats

Das verborgene Leben des Waldes
von David Haskell

Einen Quadratmeter Boden hat sich David G. Haskell mitten im Wald von Tennessee ausgesucht, und hier lässt er sich nieder, um ein Jahr lang Buch zu führen über das, was sich tut. Literarisch befindet sich der Biologieprofessor damit in bester Gesellschaft – Klassiker der amerikanischen Literatur wie Henry David Thoreau oder Annie Dillard kommen einem in den Sinn –, und den Vergleich mit den Grossen braucht dieser Autor nicht zu scheuen. Mit der Lupe entdeckt Haskell Besinnliches, Kämpfe und Dramen unmittelbar vor seinen Augen. Ereignet sich grad mal nichts Spektakuläres, so lässt der erfahrene Meditations-Praktiker seine Leser hinter die Kulissen des «Wald-Mandalas» blicken und enthüllt tieferliegende Geheimnisse des Lebendigen. «Das verborgene Leben des Waldes» (Antje Kunstmann Verlag, München 2015) ist eine kostbare Schatztruhe voller Inspiration. (Rezension: MF)[mehr]


Think Love
von Ulrich Clement

Ulrich Clement, der renommierte Paartherapeut und Leiter des Instituts für Sexualtherapie in Heidelberg, stellt in seinem neuen Buch Fragen. Nach jeder Frage oben auf der Seite bleibt viel leerer Raum, um seine Antworten direkt ins Buch hineinzuschreiben oder ? natürlich noch besser ? zum Austauschen mit dem Partner, der Partnerin. Wobei das Letztere ganz sicher eine Herausforderung ist, aber auch Klärung und mehr Vertrauen, Tiefgang und Intimität in die Beziehung bringen sowie Hemmungen abbauen kann. Fragen öffnen. Die gestellten Fragen entziehen sich Antworten von richtig oder falsch. Es gibt nur subjektive Wahrhaftigkeit, ehrliche Antworten ? bei denen man sich zwangsläufig auch zeigt, zeigt auch mit seinen eher verletzbaren Anteilen. Wer das nicht scheut, weil er sich bewusster werden will über sich auch als sexuelles Wesen, ist mit «Think Love» (Verlag Rogner und Bernhard, Berlin 2015) gut bedient. Tipp: Auch beim Thema Sex ist durchaus mal ein befreiendes Lachen erlaubt! (Rez[mehr]


Das geheime Leben der Bäume
von Peter Wohlleben

Den Germanen waren Bäume heilig, ihre Nachfahren von heute befallen mystische Ahnungen, wenn man ihnen raunt von «Das geheime Leben der Bäume» (Ludwig Verlag, München 2015). Peter Wohlleben hat sich vom rational profitorientierten Forstwirtschaftler gewandelt zum gefühligen Freund der grünen Riesen und führt regelmässig durch seinen Forst, den er auf alternative Weise bewirtschaftet. Der deutsche Förster versteht sich darauf, das Verhalten der Bäume zu beschreiben, als ob es Menschen wären. Wenn man hier erfährt, wie rücksichtsvoll Bäume sich gegenseitig unterstützen, wie klug sie sich den Bedingungen ihres Standorts anpassen und wie sie untereinander kommunizieren, rücken die Baumwesen einem tatsächlich immer näher. Ein ungemein informatives, anregendes Buch, gefertigt aus – na, Sie wissen schon. (Rezension: MF)[mehr]


Der Elefant, der das Glück vergass
von Ajahn Brahm

Wer «Der Elefant, der das Glück vergass» (Lotos Verlag, München 2015) liest, sollte Zeit haben. Nicht dass man diese vielen kleinen Geschichten nicht auch einzeln lesen könnte, aber nach der ersten kann man nur noch unter grosser Willensanstrengung mit Lesen aufhören. Nach seinem Bestseller «Die Kuh, die weinte» lässt es Abt Ajahn Brahm auch diesmal aus einer schier unversieglichen Quelle buddhistische Weisheiten sprudeln. So gehören zu seinem Repertoire nicht nur traditionelle Gleichnisse, sondern auch selbst Erlebtes, Erdachtes und Gehörtes. Wegen der grossen Nachfrage wird es zweifelsohne bald ein drittes Buch geben, mein Titelvorschlag: «Der Hund, der sich im Wasser sah». (Rezension: Sagita Lehner)[mehr]


Diagnose: unheilbar, Therapie: selbstbestimmt
von Sven Böttcher

Das Wichtigste gleich vorweg: Ein Mann leidet an einer unheilbaren Krankheit, er hat Humor, und er kann gut schreiben. Das ist ein Glücksfall. Für den Leser. Aber auch für seine Kinder. Um denen nicht als dahinsiechender Kranker in Erinnerung zu bleiben, entschliesst sich der Leidende, seinen drei Töchtern eine Zusammenfassung seiner Lebenserkenntnisse zu hinterlassen. «Quintessenzen» (Ludwig Verlag), die Buchausgabe seiner zunächst auf einer Website veröffentlichten «Überlebenskunst für Anfänger», erreicht eine breite Leserschaft und verschafft ihm weitum Anerkennung. Das Allerwichtigste dazwischen: Sven Böttcher lebt, und zwar gut. Die niederschmetternde Diagnose MS liegt bald zehn Jahre hinter ihm. Er hat sich trotz erheblicher Symptome und entsprechend schlechten Aussichten nicht an den Rat der Mediziner gehalten. Das heisst, er hat kaum je Pillen geschluckt, hat keine «Stosstherapie» mit Kortison gemacht und liess keine medikamentöse «Basistherapie» über sich ergehen. Er stand Ve[mehr]


Holy Shit
von Edith Gloor

Es dauert Tage, bis die richtige Diagnose vorliegt, doch dann ist es klar: Edith Gloor hat sich unter schwer nachvollziehbaren Umständen eine Querschnittlähmung zugezogen. Auf die Besonderheiten dieses Un-Falls spielt sie an mit dem Titel ihres autobiografischen Berichts: «Holy Shit» (Scorpio Verlag, München 2015). Obwohl die Chancen einer Heilung bei maximal fünf Prozent veranschlagt werden, herrscht im Spital eine Atmosphäre der Zuversicht, und der Chirurg, der sie am Rücken operiert, sagt vor dem Eingriff zu ihr: «Alles ist möglich. Gehen wir es an!» «Diese schlichten Sätze ordnen mein Inneres. Ich übergebe mich dem nun betriebsamen Geschehen rund um die OP-Vorbereitungen», schreibt die Schweizer Schriftstellerin. Dass sie neun Monate später tatsächlich wieder gehen wird, dass sie sich vom unbeweglichen Liegen im Spitalbett mit tatkräftiger Unterstützung von zahlreichen Therapeuten nach und nach aufrappelt und schliesslich Rollstuhl und Krücken hinter sich lässt – das ist nichts Ge[mehr]


Es ist nicht egal, wie wir geboren werden
von Michel Odent

«Es ist nicht egal, wie wir geboren werden» (Mabuse Verlag, Frankfurt a. M. 2015) von Michel Odent ist ein Klassiker, ein kleines Buch mit Sprengkraft. Der ehemalige Pionier für Kaiserschnitte hat in seiner langen Berufserfahrung alle Feinheiten und Kombinationen von Empfehlungen und Eingriffen in Schwangerschaft und Geburt untersucht und differenziert. Natürlich gebären kann das grösste Glück auf Erden sein; ein Kaiserschnitt, richtig erwogen, Leben retten. Die Lektüre dieses Buches kann zu massiven Oxytocinausschüttungen führen. Ungestört lesen und möglichst ungestört unter Vermeidung von schlechten Nachrichten zum eigenen Körpergeschehen schwanger sein und gebären, das ist die Quintessenz dieses kleinen Lexikons der medizinischen Missverständnisse. (Rezension: Nele Pintelon)[mehr]





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