Buch des Monats

Die Bäume und das Unsichtbare
von Ernst Zürcher

Gleich vorab: Von diesem Buch bin ich begeistert! Sehr sogar. Hier fächert ein Naturwissenschaftler mit universalem Blick und ungewöhnlicher Offenheit vor dem Lesenden den Kosmos Baum auf. Ernst Zürcher stellt in «Die Bäume und das Unsichtbare (AT Verlag, Aarau 2016) vielfältige Bezüge her; feinsinnig thematisiert und erforscht er auch das auf den ersten Blick nicht Sichtbare. Immer wieder wird uns das Wunder des Lebens beispielhaft vor Augen geführt. Gerade auch durch den wohltuend nüchternen, beschreibend-wissenschaftlichen Schreibstil des Autors beginnt ein Verstehen der tieferen Art; ein Erkennen der Verwandtschaft von allem. Ein Staunen über die Grossartigkeit der ökologischen Zusammenhänge oder über die Einwirkung der Mondphasen auf Bäume wechseln sich beim Lesen ab mit einem Ergriffensein über etliche Details, zum Beispiel darüber, dass auch Knospen einen – beinahe unmerklichen – Puls haben. Da geht einem doch das Herz auf! Man könnte glauben, der Professor für Holzwissensch[mehr]


Der innere Kompass
von Lorenz Marti

Wer Lorenz Martis neues Buch «Der innere Kompass» (Herder Verlag, Freiburg 2017) liest, erspart sich die Lektüre etlicher Wälzer über neuere naturwissenschaftliche Forschungsergebnisse. Allerdings beschränkt sich der Autor nicht auf seine Kunst, komplexe Inhalte verständlich zu vereinfachen, sondern er fügt den Fakten seine nachdenklichen Fragen hinzu, die anregen, sich nun eigene Gedanken zu machen. In kurzen Sätzen und ebenso kurzen Kapiteln eröffnen sich unendliche Universen – innen wie aussen. Am faszinierendsten aber empfand ich inmitten der vielen Erkenntnisse die enormen Wissenslücken, die es noch gibt. Sie sind das Salz in der nahrhaften Suppe aus den vielen Zutaten in diesem Buch. (Rez.: Christine Steiger)[mehr]


Die Seelenwelt der Pflanzen
von Eva Rosenfelder

In diesem inhaltlich abwechslungsreichen und optisch verspielt gestalteten Buch geht es zwar um «Die Seelenwelt der Pflanzen» (Kailash Verlag, München 2017), aber immer auch um unsere eigene Seelenwelt und unsere Interaktionen mit den grünen Mitwesen. Ohne die wir notabene nicht existieren könnten. Auf der materiellen Ebene stellen uns die Pflanzen Sauerstoff, Nahrung und unzählige heilende Wirkstoffe zur Verfügung; auf der geistig-seelischen Ebene sind die Einflüsse und Wirkungen subtiler. Diesen geht Eva Rosenfelder (nomen est omen!) in vielfältiger Weise nach: in Biografischem, in poetischen Betrachtungen zu den einzelnen Bereichen, in zauberhaften Gedichten, in Rezepten und Inspirationen. Frank Brunke hat atmosphärische Fotografien beigesteuert. Dem erfrischenden Buch wird mit dem Jahresverlauf von Erd- und Ahnenreich, Auferstehung, Erwachen, Knospen, Blühen, Liebe, Ernte und Loslassen ein stimmiger Rahmen gegeben. In diesem Kontext kommen, ausser der Autorin, neun Männer und Fraue[mehr]


Wäre Luther nicht gewesen
von Michael Lösch

«Wäre Luther nicht gewesen» (dtv, München 2017) – als einstiger Sonntagsschüler und Konfirmand bin ich um eine Fortschreibung dieses Satzes nicht verlegen: der Ablasshandel, dieser Schacher um Sünde und Vergebung, wäre schamlos weitergegangen, die Bibel könnten wir nicht lesen, finsteres Mittelalter. Alles falsch, sagt Michael Lösch und bürstet die Geschichte der Reformation gegen den Strich. Die katholische Kirche hätte sich damals unter dem Einfluss von Renaissance, Humanismus und Machtpolitik ohnehin selber aufgelöst; in der Konfrontation mit dem rückwärtsgewandten, engstirnigen Luther aber habe sie sich zusammengerauft und neuen Schwung erhalten. Die Folgen waren Intoleranz, Inquisition, endlose Kriege, Rückschritte bis auf den heutigen Tag. Nicht alles überzeugt an diesem Thesenbuch eines deutschen Pfarrersohns – höchst anregend ist die Lektüre aber allemal. (Rez.: MF) [mehr]


Sei gut zu dir!
von Christa Spannbauer

Selbstmitgefühl - ein neues Stichwort, wenn nicht gar ein Gebot, macht die Runde: Wir sollen unsere Empathie nicht bloss Mitmenschen zugute kommen lassen, sondern auch uns selbst, auf dass die Güte anderen gegenüber auf soliden Beinen steht. Wie das geht, zeigt auf inspirierende Weise Christa Spannbauer in dem kleinen hübschen Ratgeber «Sei gut zu dir!» (Herder Verlag, Freiburg 2016). Dieses Buch ist ein Schatzkästlein voller kostbarer Anregungen, kurze Besinnungstexte gehen über zu praktischen Anleitungen und Fragen an sich selbst. Müssiggang, Kuscheln und Knuddeln kommen darin vor, aber auch Verletzungen und Trauer. Wer sich von dem Werk anregen lässt zu eigenen Erfahrungen, kann entdecken: Selbstliebe ist kein Gebot der Stunde, es ist die natürliche Grundlage unseres Seins. (Rez: MF)[mehr]


Geistheilung
von Urs Gisler

Wo andere gerne ein Geheimnis daraus machen, ist Urs Gisler offen und sachlich. In seinem Erstlingswerk «Geistheilung» (Aquamarin Verlag, Grafing 2016) erzählt er, wie er als junger Mann zum Geistheilen gefunden hat und wie er sich durch das Studium der unterschiedlichsten Bereiche eine breite Basis schaffen konnte: die Ausbildung zum Physiotherapeuten, die Lehre über unsere feinstofflichen Körper, die Kraft der Gedanken, die Chakren, die Bedeutung der Atmung, das I Ging, das Geistige Familienstellen, die Traditionelle Chinesische Medizin (TCM) und Ayurveda, «das Wissen vom Leben». Urs Gisler berührt alle Bereiche, die ihm in seiner Arbeit dienen. Die Übungen, die er vorschlägt, damit wir Leserinnen und Leser den Zugang zum Geistheilen selber finden können beziehungsweise darin Fortschritte machen, entsprechen seinen eigenen subjektiven Erfahrungen. Ein sehr persönliches und darum besonders interessantes Buch, zeitgemäss auch in der Aussage, dass die Menschheit den Sprung aus dem Egois[mehr]


Das Seelenleben der Tiere
von Peter Wohlleben

Peter Wohlleben verblüffte vor einem Jahr mit einem Buch über das «geheime Leben der Bäume». In seinem neuen Werk über «Das Seelenleben der Tiere» (Ludwig Verlag, München 2016) schafft es der deutsche Förster wieder trefflich, Erkenntnisse aus der Wissenschaft zu verbinden mit persönlichen Erlebnissen und überraschenden Einblicken. Tiere kennen Liebe, Mitgefühl und Trauer, und es sind bei weitem nicht «bloss» Haustiere, denen man heute solche Gefühlsregungen zubilligt. In kurzen Kapiteln berichtet der Autor von der Mutterliebe eines Eichhörnchens und vom wild entschlossenen Mut eines Rehkitz’. Das ist unterhaltsam zu lesen – ein Augenöffner für Wesen, die sich als «Krone der Schöpfung» betrachten.[mehr]


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